Eindrücke von den Protesten gegen das Spardiktat

Das war ein großartiges Wochenende im Wuppertaler Schauspielhaus. Insbesondere die sehr gut besuchte Solidaritätskundgebung umfasste fast das gesamte Spektrum der (noch) sehr kleinen Wuppertaler Widerstandsbewegung.
Anders als bei der Minikundgebung von Freitag, wo nur ca. 250 DemonstrantInnen teilnahmen, waren am Samstag SchülerInnen und Studierende, ErwerbslosenaktivistInnen von Tacheles, Beschäftigte der VHS, Verdi, die Initiative Pro Mirke, die für den Erhalt des 160 Jahre alten ehe. Arbeiterschwimmbads kämpft, Ataccies, total viele SchauspielerInnen und Bühnenbeschäftigte aus NRW und viele andere gekommen. Es waren bestimmt 1.000 Leute, die im Wintersportparadies Wuppertal den teilweise sehr guten Reden lauschten. Am besten war die Rede von Mechthild Grossmann, die insbesondere die Rolle und die Verantwortung der Politik eindrucksvoll angriff. Hoffentlich hat jemand die großartige Rede aufgenommen und wird sie bald ins Netz stellen.
(c) oelbergisch.de Peinlich berüht waren viele von den Informationen aus dem Rathaus.
OB-Jung hatte den städtischen Beschäftigen verboten an der Kundgebung vor dem Rathaus am 29.1 teilzunehmen. Die geplante Aktion der städtischen Feuerwehr, den Pleitergeier am Rathaus anzubringen und später mit den Feuerwehrwägen eine Solidaritätsfahrt zum Schauspielhaus zu machen, wurde ebenfalls vom Dienstherrn Jung verboten. Angeblich soll er sogar dem Intendanten Christian von Treskow verboten haben, auf der Auftaktkundgebung vor dem Rathaus zu sprechen.
(Wenn das kein Ausschlussgrund aus „Wuppertal wehrt sich“ ist…)
Hingegen waren die Wohlfahrtsverbände wieder so frei, ihre Beschäftigten, darunter auch Ein Euro Jobber zum Protest zu zitieren. Erich Honecker lässt grüssen.
Wir geht es weiter?
Auf der Agenda des Protestes steht zunächst die Offene Versammlung gegen das Spardiktat im Rathaus am 26.2.2010 um 17:00 Uhr. Hier soll vor allem die Bevölkerung von Wuppertal die Gelegenheit haben, sich zu äußern und Pläne zu schmieden.

Am Anfang sollen die einzelnen Betroffenengruppen (vom Schauspielhaus, über die Schwimmbäder bis zu den Sozialeinrichtungen ) berichten, ParteivertreterInnen haben die seltene Gelegenheit erstmal zu zu hören.

Es soll auch beraten werden, ob und wie wir die erste entscheidende Ratssitzung am 15. März mit Protesten begleiten können. Sehr schön sind auch die Vorschläge bei der Eröffnung der Schwimmoper am 25. März ein großes Protestschwimmen gegen die Sparpläne zu veranstalten. Ministerpräsident Rüttgers soll ja das Schwimmbad noch vor der Landtagswahl eröffnen…

Auf jeden Fall gibt es zumindest bis zur Landtagswahl eine interessante Konstellation. Die SPD hat ihre Zustimmung zum Sparpaket schlauerweise aufgekündigt. Der Sonnenkönig Jung und sein Kassierer Slawig stehen zur Zeit nackt und ohne Mehrheit da. Das stört die Herren aber zunächst nicht in ihrem Sparplänen, sie wollen alles was rechtlich möglich ist ohne den Stadtrat durchziehen.
Aber OB Jung, der offensichtlich sehr schlechte politische Berater oder gar keine hat, sollte nicht zu hoch pokern. Ein OB, der so gerne Hinz und Kunz Guten Tag sagt und anders als sein Vorgänger Kremendahl, souverän auf den Stammtischen tanzen und bei den Sportvereinen lächeln kann, leidet viel mehr unter Liebesentzug seiner BürgerInnen. Und wenn er es zu bunt treibt, könten findige und fröhliche BürgerInnen sogar Unterschriften für ein Absetzungsverfahren sammeln. Dann könnte es eng werden für den Sonnenkönig.

P.S

Traurig ist die Berichterstattung des WDR-Fernsehens gewesen. Während die WZ für ihre Verhältnss recht gut berichtet hat, sie erkannte zum Beispiel messerscharf, das alle von den Sparplänen bedrohten Einrichtungen und Initiativen beim Protest am Schauspielhaus vor Ort waren und auch (was am Rathaus keine Selbstverständlichkeit war) geredet haben. Dagegen hat hat die Lokalzeit einen lieblosen Kurzfilm produziert, der in keiner Weise diese großartige Widerstandaktion würdigte. Stattdessen wurden uns Liveschaltungen vom Bogenschiessen, Interviews zum Zeitmanagement und zu abgebrannten Autobahnklos („Dixieklos sind die Hölle“) serviert.

Traurig.

Die WZ (!)

WZ Wuppertal. Der Protest der Wuppertaler gegen die geplante Schließung des Schauspielhauses und die weitreichenden Kürzungen im sozialen und kulturellen Bereich nahm bei der großen Kundgebung vor dem Schauspielhaus am Samstagnachmittag beeindruckende Formen an. Etwa 2000 Menschen aus der Stadt und auch aus vielen anderen Städten in Nordrhein-Westfalen hatten sich vor dem Schauspielhaus versammelt und jubelten dort Rednern wie dem ehemaligen Wuppertaler Schauspiel-Intendanten Holk Freytag zu, der sich vehement gegen die Kürzungen in der Kultur aussprach.

Die Redner kamen jedoch nicht nur aus dem kulturellen, sondern auch aus den sozialen und sportlichen Bereichen Wuppertals und warnten einhellig vor dem geplanten Kahlschlag, der mit dem umstrittenen Haushaltssicherungsgesetz einhergeht. Die bekannte Schauspielerin Mechtild Großmann übte bitterböse Kritik an Regierungspräsident Jürgen Büssow und forderte die Wuppertaler auf: „Lasst euch das nicht bieten!“ Red

Bericht hier gefunden

weiteres:
Wuppertal wehrt sich gegen Sozial- und Kulturkahlschlag – 2000 Menschen protestierten solidarisch
Fotos – oelbergisch.de
Zum ‘Ausbluten’ der freien Kunstszene – oelbergisch.de
Einsparung der Freien Kulturszene in Wuppertal – oelbergisch.de
Wuppertaler Bühnen
Initiative für das Freibad Mirke

This entry was posted on Dienstag, Februar 2nd, 2010 at 3:51 pm and is filed under Aktiv werden!, Lokales, Neuigkeiten. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

2 Responses to “Eindrücke von den Protesten gegen das Spardiktat”

  1. rabe Says:

    Wuppertal ist überall!

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    “wir zahlen nicht für eure krise! zwingen wir die profiteure
    zur kasse!”
    Anti-Krisendemonstration am 20.03. in Essen

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  2. Andreas Zech Says:

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