“Evolution statt Revolution”?

Evolution statt Revolution – wollen wir mal niemandem unterstellen einem antiquierten Gen-Determinismus anzuhängen, was kann oben aufgeführte Formel dann bedeuten? Auf jeden Fall verweist sie auf den Kerngedanken der Evolutionstheorie: Verbesserung durch Anpassung. Anpassung an Gegebenes, Umgang mit Wirkungen und nicht mit Ursachen. Anpassung kann heute nur favorisieren, wem die eindimensionale Ausgestaltung unserer Gesellschaft noch nicht weit genug voran geschritten ist.

Lassen wir uns von der hier in Zweifel gezogenen Revolution inspirieren und fassen erstgenanntes als soziokulturelle Evolution. Hierbei handelt es sich um die Beschreibung eines langfristigen Strukturwandels.  Dieser kann durch die spontane Veränderung eines Strukturbestandteils entstehen.  Eine soziokulturelle Evolutionstheorie stellt unter Beweis, dass über Nacht ein Idee, ein Ereignis in die Welt treten kann und sie  verändert. Hier wird deutlich, dass der Zufall eine große Rolle spielt, so ist zum Zeitpunkt der Variation keinesfalls klar, ob sich diese als positiv oder negativ erweisen wird. Dies hat zur Folge, dass sich keine Kausalitäten für die Zukunft prognostizieren lassen, zielgerichtetes politisches Handeln also obsolet wird. Es kommt zu einer Einschränkung auf die Verwaltung des bestehenden und deren Variationen. Eine eindeutige Gewichtung des Dualismus von Struktur und Handlung wird hier ersichtlich.

Die Konfrontation mit einer vorgefundenen Gesellschaftsstruktur kann für das Individuum wohl kaum bestritten werden. Allerdings werden gesellschaftliche Strukturen von Menschen gemacht und können  in  einem dialektischen Prozess von diesen modifiziert werden. Das Handeln des Menschen wird sozial konstruiert und konstruiert gleichzeitig das Soziale. Somit lassen sich gesellschaftliche Gegebenheiten bewusst, gezielt und umgehend verändern. Gesellschaft hat nichts mit Zufall und sollte nicht in jedem Fall etwas mit Anpassung zu tun haben. Hier kommt nun die Revolution wieder ins Spiel. Gesellschaft kann und muss oft durch Handeln verändert werden. Wir können uns nicht auf einen langfristigen Strukturwandel verlassen, der uns weiter den Wirkungen aussetzt deren Ursachen wir erkannt haben.

Gesellschaftliche Entwicklung anhand einer Evolutionstheorie zu beschreiben, kann als legitim gelten, solange keine gerichtete Entwicklung impliziert wird. Soziokulturelle Evolution als Handlungsmaxime zu postulieren führt einen weiter in eben jenes Verderben, das dem Vertrauen auf die unsichtbare Hand geschuldet ist.

Eine Theorie der soziokulturellen Evolution hat ihre Berechtigung, allein in einer dialektischen Zusammenführung mit bewusst handelnden Indiviuen, die unser Zusammenleben prägen. Sie kann sicher Strukturen beeinflussen, entbindet aber nicht von Revolution!

This entry was posted on Freitag, Juni 18th, 2010 at 9:38 pm and is filed under Aktiv werden!, StuPa-Wahl 2010. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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