streikzeitung “panorama hörsaal 21″ erschienen
Ab heute gibt es eine neue Streikzeitung mit aktuellen Informationen aus dem Hörsaal 21. Weitere Infos gibts auf www.wtalbrennt.de. Für Mittwoch ist eine Demo in Duisburg geplant, wo NRW-Forschungsminister Andreas Pinkwart an einer Veranstaltung teilnimmt. Es geht dabei u.a. auch um die Rücknahme von Strafanzeigen gegen streikende Studierenden in besetzten Hörsälen. Zur gemeinsamen Abfahrt treffen sich Wuppertaler Kommilitonen voraussichtlich um 12Uhr. Am gleichen Tag steht der Bildungsstreik 2.0 erneut auf der Tagesordnung des StuPa.
Derweil bleibt noch unklar, inwiefern die Forderungen bei Hochschulleitungen und politischen Verantwortlichen nicht nur auf Verständnis, sondern auch auf die gewünschten Reaktionen stoßen werden. Die Ignoranz vom ersten Bildungsstreik dieses Jahres darf sich nicht widerholen. Leider deuten diverse Pläne und Äußerungen u.a. von Bundesministerin Schavan darauf hin. Die KMK muss am 10.12. in Bonn lautstark an ihren Beschluss erinnert werden, Reformen bei BA und MA vorzunehmen.











November 23rd, 2009 at 9:23 pm
Hier gibt es das Programm für den Hörsaal 21:
http://www.wtalbrennt.de/wiki/Programm_im_HS21
November 23rd, 2009 at 9:58 pm
Einige Überlegungen zur Aktionform der sog “kooperativen Besetzung”
Auch wenn ich mich persönlich aus verschiedenen Gründen nicht an der “Besetzung” beteilige, finde das außerordentliche Engagemant vieler Kommilitonen auch über das Wochende hinweg äußererst bemerkenswert! Die Besetzung eines Hörsaals bringt vor allem den Vorteil mit sich, dass man sich auf diese Weise Raum für die dringend notwendigen Diskussionen über die Zukunft der Bildung und über künftige Strategien nimmt. Ich halte kreative und ungewöhnliche Aktionsformen und eine breite Bewegung jenseits der oft wenig machtvollen studentischen Gremien für absolut geboten!
Denoch habe ich einige kritische Anmerkungen zur aktuellen Aktionsform an der Bergischen Uni:
1. Die Besetzung entfaltet zwar möglicherweise eine hohe interne Gruppendynamik und Diskussion, macht sich auf dem Campus insgesamt aber leider wenig bemerkbar. Es ist völlig klar, dass eine Streikwoche wie im Juni nicht einfach wiederholt werden kann (zumal ich als Aktiver auch feststellen musste, dass es zwar einige Aufmerksamkeit, aber wenig Bereitschaft auf die Forderungen einzugehen gab). Dennoch braucht es zumindest eine hochschulinterne Öffentlichkeit für Aktionen und Forderungen. Die ist meiner Meinung bei der gegenwärtigen Besetzung nur bedingt gegeben.
2. Ich habe erhebliche Bedenken, ob eine sog. “kooperative Besetzung” in der praktizierten Form die erwünschten Ergebnisse bewirken kann. Besetzungen sollen normalerweise auch weh tun oder zumindest den Lehrbetrieb aufhalten. Wenn aber extra und mit viel Mühe alternative Belegungspläne entwicklet werden, wird dieses Anliegen ad absurdum geführt. Das Argument, so einer Räumung erfolgreich zu entgehen, trägt nur bedingt. Warum sollte das Rektorat auch Räumen, wenn doch keine Störung durch Nicht-Räumen entsteht? Mit der Hochschulleitung zu reden ist erstmal ein vernünftiger Ansatz. Aber dafür kann der Weg der studentischen Gremien genutzt werden, die sich aber eines geringen Interesses auch von Seiten vieler Aktiven gegenübersehen. Ohne besonderen Druck, bewegt sich das Rektorat meiner Meinung nach nicht. Das hat schon die Nicht-Reaktion auf den ersten Forderungskatalog gezeigt.
3. Die aktuelle Strategie ist aus meiner Sicht unagemessen unradikal. Radikal heißt, das Übel an der Wurzel zu packen und von dort her zu denken. Das bedeutet zunächst die Ursachen der gegenwärtig erlebten Bildungsmisere zu identifizieren und zu bekämpfen:
Ökonomisierung der Bildung (Bildung als Ware, unternehmerische Interessen in Curriculum und Hochschulorganisation, Employability, Kapitalverwertungsinteressen), Unterfinanzierung der öffentlichen Bildungssysteme (durch neolibereale Steuerlogik und Auswüchse des Entstaatlichungs-Diskurses, Überschuldung öffentlicher Kassen) u.a.
Radikal heißt dannn in einem zweiten Schritt dann aber auch Verwortlichkeiten aufzudecken:
verantwortlich sind eben nicht nur die relativ fernen KultusministerInnen oder der fernab vereinbarte Bologna-Prozess, sondern auch die Hochschulleitung vor Ort. Die Prüfungsordnungen werden an unserer Uni gezimmert (in der Regel unter Ausschluss von bedeutsamer studentischer Beteiligung). Daran hängen die Fragen der Studierbarkeit, der Prüfungsdichte und der Regelstudienzeit.
4. Der Studiengebühren-Diskurs verharrt noch oft an der Oberfläche und lässt sich auf die gestellte Falle der KundInnen-Mentalität ein, womit er sich aus meiner Sicht gegen das eigentliche Anliegen gleicher Bildungschancen für alle verkehrt. Oft ist zu hören: “Wir zahlen ja schließlich 500€, also können wir auch etwas erwarten”. Nein, wir können etwas erwarten, weil es ein Recht auf freie Bildung mit gleichem Zugang gibt, egal ob und wieviel wir zahlen!!!! Wer sich auf Hochschulbildung als Dienstleistung einlässt, sieht ganz schnell mit anderen Summen konfrontiert und billigt der Bildung ein Wesen als Ware zu. Egal wie gut die Gebühren eingesetzt werden (und Wuppertal bekleckert sich da nicht gerade mit Ruhm), sie nützen denen die dadurch ausgeschlossen werden nichts mehr! Genauso greift die Forderung nach der Mitbestimmung über die Verwendung viel zu kurz, schließlich machen die Gebühren nur einen sehr kleinen Bruchteil des Gesamtbudgets aus. Als größte Gruppe in der Hochschule sollte ein allgemeines finanzielles Mitspracherecht über den Gesamtetat selbstverständlich sein!
5. Ich halte es angesichts der angemahnten Solidarität für eher paradox, dass Kommilitonen, die beim Bildungsstreik aktiv waren (und sich zum Teil jetzt aktiv an vielen Stellen für die Ziele engagieren) dafür angegriffen werden, weil sie sich nicht für die Beteilung an dieser Aktionsform entschieden haben. Das halte ich für absolut unangemessen, auch angesichts der recht guten Beteilungung an der offenen Versammlung und an der Bildungsdemo in Elberfeld.
Diese Hinweise verstehen sich als konstruktive Kritik und Beitrag zur strategischen Debatte über die Formen des künftigen Kampfes für eine bessere, emanzipatorische, demokratische, sozial gerechte und gebührenfreie Hochschulbildung.