HRK: Proteste sind Unfug und Schuld sind eh die Anderen!
Am 24.11. trat in Leipzig die HochschulrektorInnenkonferenz (HRK) zusammen und stellte erneut ihre Ignoranz gegenüber den Forderungen der Studierendenprotesten unter Beweis. Die HRK, die sich selbst als „die Stimme der Hochschulen“ bezeichnet (obwohl sie kein politisches Mandat hat oder sonst wie legitimiert wäre), ist eine einflussreiche Lobbygruppe, die für Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen eintritt und maßgeblich an der schlechten Implementierung des Bologna-Prozesses beteiligt ist. Außen vor bleibt dabei die studentische Interessensvertretung. Auch in Leipzig verweigerte sich die HRK erneut einem fairen und offenen Dialog.
Die HRK-Vorsitzende Margret Wintermantel sprach den aktuellen Studierenden-Protesten gegen schlechte Lern- und Lehrbedingungen, die Verschulung des Studiums und die Auswüchse der Bologna-Implementierung die Berchtigung ab und bezeichnete diese als Unfug. Der Bologna-Prozess sei auch an deutschen Hochschulen eine Erfolgsgeschichte, weil sich Studienzeiten verkürzen und die Akzeptanz der neuen Abschlüsse verbessere. Scheinbar kommt es nicht darauf an, was und wie gelernt wird, sondern nur in welcher Zeit. Wissenschaftliche und reflexive Kompetenzen können so aber kaum erlangt werden. Vielleicht sind in den verkürzten Studienzeiten aber auch die vielen AbbrecherInnen enthalten, die das neue System produziert. Studiengebühren tun ein Übriges um die das Studierverhalten zu disziplinieren.
Weiterhin wieß Wintermantel darauf hin, dass die Probleme fast ausschließlich auf die mangelhafte Finanzausstattung durch die Landespolitik entstehen würden. Auch wir finden, dass die öffentliche Finanzierung im gesamten Bildungswesen deutlich verbessert werden muss! Allerdings können wir den RektorInnen nicht durchgehen lassen, dass sie alle Verantwortung abschieben. Viele Probleme verursachen sie an den Hochschulen selbst! So wird beispielsweise über die Studierbarkeit der Studiengänge, die Regelstudienzeiten, das Ausmaß an Verschulung und die Prüfungsdichte vor Ort entschieden – viel zu oft ohne die Betroffen mit einzubeziehen. Das muss sich dringend ändern!
In der einstimmig beschlossenen Stellungnahme: Die Stimme der Hochschulen: pro Bologna“ machen die RektorInnen klar, dass es für sie kein zurück zu den alten Studiengängen gibt und streichen die vermeintlichen Erfolge bei der Umstellung auf BA/MA heraus. Kein Wort findet sich zu den aktuellen Protesten und den Forderungen der Studierenden. Einen Dialog mit der KMK möchte man eingehen, ein Diaolog mit Studierenden (und Lehrenden) wird aber vermutlich nicht für sinnvoll erachtet.
Die Forderungen der massiven Proteste, die die HRK-Sitzung begleiteten lassen sich unter dem Motto „Keine Stimme ohne uns!“ zusammenfassen:
1.Die HRK erkennt an, dass sie in der derzeitigen Zusammensetzung die Vertretung der RektorInnen und PräsidentInnen ist und bezeichnet sich fortan nicht als “Die Stimme der Hochschulen”.
2.Die HRK tagt ab sofort öffentlich.
3.Die HRK bekennt sich zur Studiengebührenfreiheit und spricht sich gegen Zulassungsbeschränkungen aus. Des Weiteren fördert sie die studentische Mitbestimmung an den Hochschulen bundesweit im Sinne einer demokratischen Bildungspolitik.
4.Die HRK setzt sich für eine grundlegende Überarbeitung der derzeitigen Umsetzung des Bologna-Prozesses ein.
5.Die HRK bekennt sich zum Diskurs und fordert alle RektorInnen auf, die Polizei nicht auf den Campus zu holen um Studierende vom Protest abzuhalten.
Weitere Infos:
PM: HRK-Sitzungsraum besetzt (23.11.09)
HRK-Vorsitzende weist Kritik als „Unfug“ zurück, RP online (24.11.09)










