“Atomausstieg ist Handarbeit” – Demo in Ahaus

Zwischen 250-300 Leute demonstrierten am Sonntag (20. Dezember) bei Schneegestöber und Eiseskälte am Zwischenlager Ahaus. Obwohl viele Straßen und Autobahnen durch das Schneechaos dicht waren, kamen ein Bus aus Bonn/Köln, Aktivist_Innen aus dem Wendland, aus den Niederlanden, von contratom, vom Schacht Konrad und der Morsleben-Kampagne sowie aus Jülich und dem Rheinland. Die Stimmung auf der Demo war gut und es wurde ein kleines Jubiläum gefeiert: Vor genau 15 Jahren wurde 1994 der sogenannte „Sonntagsspaziergang“ am Zwischenlager Ahaus ins Leben gerufen. Seither wird an jedem dritten Sonntag im Monat für den Atomausstieg demonstriert – damit ist der Sonntagsspaziergang zum Rückgrat des Anti-Atom-Protests in Ahaus und im Münsterland geworden. Viele kämpferische Reden zeugten davon, dass die Anti-Atom-Bewegung im Aufschwung ist. Aus Bonn, Lüneburg, Gorleben, Morsleben, Biblis, Frankreich und sogar aus Finnland kamen solidarische Grüße und Aufrufe zu einem widerstandsreichen 2010.
Janne Björklund vom finnischen Naturschutzverband aus Helsinki war eigens angereist, um über die Pläne von EON zu berichten, in Finnland ein sechstes AKW zu bauen. Dazu steht im finnischen Parlament bis zum Sommer 2010 eine Parlamentsentscheidung an. Es wurde dazu aufgerufen, sich an den Protesten zu beteiligen, um die Schlupflöcher der Atomkonzerne im Ausland zu stopfen.

Das gilt auch für den Plan von EON, in Frankreich sich am Bau eines AKW zu beteiligen. Die französische Aktivistin Cécile Lecomte rief auch hiergegen zu Widerstand auf, genau wie gegen die Uranhexafluorid-Transporte zwischen Frankreich und Gronau im Münsterland, wo die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage steht.
Auch die SPD war mit zahlreichen Parteifahnen vor Ort. Dies sorgte bei einigen Demonstranten_Innen für Unmut. „Das ist eine Demo und keine Parteiveranstaltung!“, rief der BI-Vorsitzende Heiner Möllers den Sozialdemokrat_Innen zu. Anstatt der Fahnen wären inhaltliche Aussagen angebrachter.
Ausgestrahlt war mit dem über 1000 Meter langen Anti-Atom-Transparent angereist, welches aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse jedoch nicht aufgehangen wurde.

Auch an anderen Standorten wurde am Wochenende trotz der Kälte und des Schnees demonstriert: In Biblis waren am Sonntag 250 Leute am AKW, in Gorleben und an der ASSE gab es ebenfalls Sonntagsspaziergänge, in Magedburg wurden gestern 10 000 Unterschriften gegen die Einbetonierung des DDR-Endlagers Morsleben übergeben und am Schacht Konrad waren am Freitag 130 Leute auf der Straße.
Für Ahaus wurde durch eine Anfrage der Grünen zusätzlich bekannt, dass laut Bundesregierung schon ab Anfang nächsten Jahres 1800 (!) Behälter mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll über einen Zeitraum von zehn Jahren im Schnitt zweimal pro Woche nach Ahaus rollen sollen. Von 2011 bis 2013 sollen dann die 152 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich nach Ahaus rollen. Dafür müssen nun die hoch verstrahlten Brennelement-Strukturteile aus La Hague noch bis 2015 warten – der Terminkalender in Ahaus ist für die nächsten Jahre also gut gefüllt.
Deshalb rufen die Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland und Nordrhein-Westfalen gleich für den Jahresanfang zu Demonstrationen und aktivem Handeln auf:
17. Januar:
Sonntagsspaziergang in Ahaus (Ort: www.bi-ahaus.de)
18. Januar, 11.15 Uhr:
Cécile Lecomte steht in Münster vor dem Amtsgericht. Vorwurf: “Verbale Nötigung” eines Polizisten beim Abseilen vor einem UF6-Transport von Gronau nach Südfrankreich
23. Januar:
Autobahn-Aktionstag Ahaus-Duisburg-Jülich “Dem Castor entgegen”
Um 10 Uhr geht es gemeinsam über die Autobahn zur GNS-Konditionierungsanlage Duisburg-Wanheim, wo um 12 Uhr an der Friemersheimer Straße eine Kundgebung mit Demo stattfindet. Danach geht es weiter zum Forschungszentrum Jülich, wo um 15 Uhr auf dem Marktplatz eine Abschlusskundgebung stattfindet.
Tag X:
Ihr müsst mit kurzen Vorwarnzeiten rechnen, und mit einem Straßen- oder Bahntransport. Deshalb haltet euch auf dem Laufenden: http://www.kein-castor-nach-ahaus.de , http://www.sofa-ms.de. Auf jeden Fall findet an dem Samstag nach dem ersten Transport um 14 Uhr eine Kundgebung am Zwischenlager Ahaus statt.
24. April:
Großdemo zum Tschernobyl-Jahrestag in Ahaus mit Widerstandscamp auf der BI-Wiese.
Zwei Wochen vor der Landtagswahl nochmal richtig Druck machen!
weitere Bilder (anti-atom-aktuell): klick
Südwestdeutsche Anti-Atom-Inis informieren – Neue E-Mail-Info-Liste
Die südwestdeutschen anti-atom-initiativen, ein seit über 10 Jahren bestehender Zusammenschluss parteiunabhängiger Gruppen der Anti-Atom-Bewegung aus Südwestdeutschland haben auf ihrem letzten Treffen die Einrichtung einer neuen email-Verteilerliste beschlossen.
Interessierte bekommen dort aktuelle Informationen von den Standorten der Atomindustrie in Südwestdeutschland und dem Widerstand dagegen. Die Initiativen informieren über ihre Aktivitäten in der Region vom Bodensee bis Köln und Würzburg bis Bure, sie veröffentlichen Hintergründe und Stellungnahmen.
Interessierte können sich mit ihrer email Adresse in die Verteilerliste eintragen.
Delegierte der an dem Zusammenschluss beteiligten Gruppen treffen sich regelmäßig ca. alle zwei Monate. Mehr Informationen über die beteiligten Gruppen gibt es auf der Internetseite
http://www.castor-stoppen.de










